Im Bereich regenerative Energien sind die Weichen für die Zukunft gestellt: Gemeinsam mit seinen europäischen Nachbarn Dänemark, Belgien und den Niederlanden möchte Deutschland 2030 bereits 65 Gigawatt grüner Strom erzeugen. Die Zielsetzung bis 2050 liegt sogar bei 150 Gigawatt. Vor diesem Hintergrund macht die Leistung des derzeit einzigen Offshore-Windparks in der Nordsee mit einem halben Gigawatt deutlich, welche Lücke es in der Zukunft zu schließen gilt. Schwimmende Windkraftwerke gelten hier derzeit als eine mögliche Alternative. Der Vorteil: Sie müssen nicht in den Meeresboden eingelassen werden und sind somit prädestiniert dazu, neue Standorte in tieferen Gewässern zu erschließen.
Die Energiegewinnung aus Windkraft ist ein elementarer Bestandteil der Energiewende. Die Rotorblätter der Windräder in Offshore-Windparks werden durch den Wind in Bewegung gesetzt und produzieren so regenerative Energie. Über ein Gleichstromnetz wird der erzeugte Strom an Land transportiert.
Die südliche Nordsee bietet dabei optimale Bedienungen für die Erzeugung von regenerativem Strom, unter anderem durch die kurzen Transportwege des Stroms in die angrenzenden Länder, wie nach Deutschland, in die Beneluxstaaten, nach Frankreich und nach Großbritannien. Neben konstanter Windkraft ist die Nordsee außerdem sehr flach, mit einer Wassertiefe von maximal 50 Metern, wodurch Offshore-Windparks problemlos gebaut werden können. Die Anlagen können bis zu einer Wassertiefe von 60 Metern installiert werden.
Sind die gesetzten Energieziele realistisch?
Deutschland möchte bis 2030 gemeinsam mit den Niederlanden, Dänemark und Belgien 65 Gigawatt Strom aus Windkraft erzeugen. Bis 2050 werden 150 Gigawatt anvisiert. Aktuell liegt die Leistung von einem Offshore-Windpark in Deutschland bei einem halben Gigawatt. Ein kritisches Abwägen der Energieziele wirft Bedenken auf. Werden Windkraftanlagen zu nah beieinander gebaut, schränken sie sich gegenseitig in ihrer Leistung ein. Laut einer Hochrechnung des Agora-Instituts würde bei der anvisierten Stromleistung von 65 Gigawatt die Energiestunden der Anlage deutlich sinken, um fast 20 Prozent.
Abgesehen von den physikalischen Bedenken bestehen darüber hinaus bürokratische Hindernisse. Durch die Beteiligung mehrerer Länder an den Energiezielen ist nicht nur ein Land für die Windparkanlage zuständig. Die Bearbeitung und Genehmigung des Windparks wurden bisher von dem Land übernommen, in dessen Gebiet die Anlage erbaut worden ist. Einige Gewässer können jedoch einfacher über andere Länder erreicht werden. Dänische Gewässer sind zum Beispiel leichter über das englische Festland zu erreichen. Diese Thematik wirft die Frage nach einer länderübergreifenden Regelung auf, diese ist derzeit jedoch noch nicht geplant.
Die Ziele der Offshore-Windparks in der Nordsee klingen ambitioniert, ziehen jedoch noch ausstehende Abstimmungen und Vereinbarungen mit sich, die den Prozess verlangsamen können.
Eine Alternative – schwimmende Windkraftwerke?
Schwimmende Windkraftwerke bieten gleich mehrere Vorteile im Gegensatz zu fest installierten Offshore-Windparks. Die schwimmenden Anlagen ermöglichen eine Windkraftgewinnung in tieferen Gewässern, in denen der Bau von Offshore-Windparks aufgrund der hohen Wassertiefe nicht möglich ist. Die Bauweise ist ebenfalls weniger aufwendig als die Bauweise von Offshore-Windparks. Offshore-Windparks können außerdem nur bis zu einer Meerestiefe von maximal 60 Metern installiert werden. Schwimmende Windkraftwerke eröffnen somit mehrere Standorte, da diese bis zu einer Meerestiefe von 300 Metern installiert werden können.
Für die Stabilität der schwimmenden Windkraftwerke sorgen tonnenschwere Seile und eine Dreiecks-Konstruktion der Bauteile. Dabei bewegt sich die schwimmende Windkraftanlage nur sehr langsam und hat einen geringen Schieflagengrad von 3 bis 4 Grad. Die schwimmenden Windkraftwerke trotzen nicht nur starken Wetterbedienungen, sondern halten auch Wellen mit einer Höhe von 25 Metern Stand. Diese Wellenhöhen ereignen sich jedoch nur alle 50 Jahre.
Bereits an mehreren Standorten Europas werden die Anlagen derzeit gebaut, unter anderem vor der Küste Schottlands und vor der französischen Mittelmeerküste. Im nordspanischen Bilbao wird eine schwimmende Windkraftanlage derzeit getestet. Im Gegensatz zu anderen europäischen Nachbarländern werden schwimmende Windparks in Deutschland bisher noch nicht als Alternative zu Offshore-Windparks herangezogen. Die Nordsee bietet durch die niedrige Wasserhöhe ideale Bedienungen für die Installation von festen Offshore-Windparks, wodurch keine schwimmenden Windkraftwerke notwendig sind.