Wärme durch Holz: Wie Südkorea Biomasse effizient und wertvoll einsetzen kann
Ländlich geprägte, dicht bewaldete Hügel und Berge auf der einen, Millionenstädte auf der anderen Seite: Das zeichnet Südkorea aus. Mit einer der höchsten Alphabetisierungsraten weltweit und einer gut ausgebildeten Bevölkerung ist das Land im internationalen Vergleich wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Aber: Südkorea besitzt kaum eigene Energieressourcen – weniger als drei Prozent des Energiebedarfs können aus eigenen Ressourcen gedeckt werden. Deshalb sucht das Land nach Alternativen zu Öl- und Kohleimporten. In der gc Wärmdienste GmbH (german contract) haben die Asiaten einen Partner gefunden, der speziell auf dem Feld der Biomassenutzung helfen kann.
Der Kontakt entstand im Sommer 2012. Eine Delegation von Waldbauern aus Südkorea besuchte Deutschland. Hintergrund dieser Reise war der Wunsch nach fortschrittlichen Technologien zur Förderung, Verwendung und Nutzung von Holz-Biomasse. Denn die reichhaltigen Waldbestände auf der südkoreanischen Halbinsel bieten eine große Fülle an Leseholz, welches – zu Holzhackschnitzeln oder Pellets verpresst – ein ökologisch wertvoller Brennstoff ist. Darüber hinaus würde eine professionelle Eigennutzung des Leseholzvorrats den notwendigen Import von Öl und Kohle reduzieren. Auf der Suche nach Inspiration und Austausch zu den Themen regenerative Energien und Nachhaltigkeit führte ihr Weg die koreanischen Gäste auch nach Neuss. „Insgesamt hinkt das Land der Entwicklung bei uns noch hinterher. Aber gerade auch die Atomkatastrophe im nahen Japan hat wohl zu einem Umdenken geführt“, erklärt Holger Stahl, Diplom-Ingenieur für Energiedienstleistungen bei german contract, den südkoreanischen Wunsch nach Biomasse-Technologien. Deutschland, in diesem Fall vertreten durch german contract, sollte dem asiatischen Land einen Anschub liefern, damit dort die Technik in der Folge selbst gebaut und weiterentwickelt werden kann.
Optimale Nutzung von Biomasse
Zu diesem Zweck flog Holger Stahl gemeinsam mit Dr.-Ing Ingo Rickert, Vorstand der Fördergesellschaft Erneuerbare Energien aus Berlin sowie Dipl.-Ing. FH Bernhard Pex, Energieberater von CARMEN e. V. aus dem bayerischen Straubing nach Südkorea und referierte dort auf einem „Biomasse-Forum“ in der südkoreanischen Stadt Wanju. „Das Interesse an regenerativen Energien und Nachhaltigkeit war für mich unerwartet und beeindruckend. Die Teilnehmer des Forums zeigten sich hochinteressiert“, fasst Holger Stahl seine Eindrücke zusammen. Interessiert an einer bestimmten Art der Biomassenutzung: Da in den einzelnen Provinzen des Landes die Wärmeerzeugung zu einem Großteil über dezentrale Stromerzeugung via Erdgas, Kernenergie oder Kohle geregelt ist, bestand die Hoffnung der Forumsveranstalter darin, Technologien zur Biomassevergasung aus Deutschland adaptieren zu können. Bei diesem Prozess wird Holz mit Hilfe eines Vergasungs- oder Oxidationsmittels wie u.a. Sauerstoff oder Wasserdampf durch eine Verschwelung in ein Produkt- oder Brenngas zur Stromerzeugung umgewandelt. Zu diesem Zweck standen für die drei Experten aus Deutschland nach dem Kongresstag noch Exkursionen zu einigen Projektstandorte auf dem Programm.
Empfehlung für die Zukunft
Konkret ging es um die Beurteilung eines sinnvollen Einsatzes der Biomassenutzung in Wanju. Nach Besichtigung der Projektstandorte und Einbeziehung aller Rahmenbedingungen kamen die drei Energieexperten zu dem Schluss, die verfügbare Biomasse in die Wärmeerzeugung fließen zu lassen. Grund dafür ist unter anderem der in Südkorea extrem niedrige Strompreis, welcher für den Einsatz von Biomasseheizungsanlagen kontraproduktiv ist. Denn ein wirtschaftlicher Betrieb gegenüber der Stromheizung dürfte somit nur schwierig zu realisieren sein. Darüber hinaus stellt die Verstromung von fester Biomasse extreme Herausforderungen an die Brennstofflogistik, den Betrieb und die Abnehmerseite dar. „Der Aufbau einer regionalen Holzhackschnitzel-Produktion kann hier durch die Waldbauern entstehen, welche die Produkte auf kurzem Weg zu den jeweiligen Abnahmestellen liefern“, resümiert Stahl. Für die ebenfalls benötigte Stromerzeugung empfahlen die Experten eine regenerative Versorgung über Wind- und Wasserkraft.