Die Energiekosten explodieren. Höchste Zeit zu überlegen, wie die eigene Heizung optimiert werden kann, um 2023 keinen Schock bei der Kostenabrechnung zu bekommen – und ganz nebenbei auch dem Klima etwas Gutes zu tun. Die Digitalisierung des Alltags macht auch vor Heizungen nicht halt und bietet Lösungen an, die helfen sollen, die Wärme effizient einzusetzen. Wenn Sie im Winter Heizkosten sparen möchten, können smarte Heizthermostate dabei helfen. Doch wie funktionieren sie und wie aufwändig ist die Nachrüstung? Und für wen lohnen sie sich wirklich?
Die Heizsaison steht vor der Tür und mit ihr auch der Wunsch, das eigene Heizverhalten zu optimieren. Ziel sollte sein, nicht um jeden Preis Energie zu sparen, sondern den Verbrauch dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. Als komfortable Optionen bieten sich dafür smarte Heizungssteuerungen an, die sich selbst über Sensoren an wechselnde Gegebenheiten, wie beispielsweise einem offenen Fenster, anpassen und sich bequem aus der Ferne per App steuern lassen.
Smart Heizen – so funktioniert’s
Die Besonderheit von smarten Thermostaten ist ihre Vernetzung. Sie sind mit Sensoren für Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie mit Wetterapps auf den Endgeräten der Nutzerinnen und Nutzer über eine Basisstation miteinander vernetzt. Dabei sammeln die Sensoren anhand des Heizverhaltens der Nutzerinnen und Nutzer ständig Daten – zum Beispiel um bei offenem Fenster die Heizung zukünftig automatisch herunter zu regeln. Dadurch sind rasche Anpassungen an die jeweiligen Gegebenheiten und Gewohnheiten möglich.
Die Basisstation und die Thermostate sind in das WLAN integriert und damit auch von unterwegs aus bequem und flexibel per App steuerbar. So geht die Wärme zuhause nicht verloren und der Wohnraum ist stets rechtzeitig warm.
Teilweise bemerken diese Systeme auch, wenn niemand zuhause ist: Sie verwenden dafür das sogenannte Geofencing, bei dem die Anlage das Haus oder die Wohnung als geografisch abgegrenzte Fläche betrachtet. Über die GPS-Funktion von Smartphones lässt sich feststellen, ob sich die mit dem jeweiligen System verbundenen Personen innerhalb des entsprechenden Bereiches befinden. Wenn sich die Personen außerhalb des jeweiligen Bereiches befinden, stellt das System eine niedrigere Temperatur ein und spart damit Energie.
Wie aufwändig ist die Nachrüstung?
Der mit der Umrüstung verbundene Aufwand ist von der Art der vorhandenen Heizungssteuerung und vom gewünschten Funktionsumfang abhängig. Bei Thermostaten am Heizkörper ist der Austausch recht einfach selbst zu bewerkstelligen. Raumthermostate sollten eher von Fachleuten getauscht werden, da die Gefahr eines Stromschlages besteht.
Die Systeme selbst unterscheiden sich je nach Installations- und Einrichtungsaufwand ebenfalls drastisch. Manche Anlagen sind auch in Mietwohnungen ohne Zustimmung des Vermieters für die Selbstmontage geeignet und bringen sinnvolle Voreinstellungen mit. Die Umrüstung besteht hier aus dem Austausch der manuellen Thermostate, dem Anbringen der Basisstation und der Sensoren sowie aus der Einrichtung von WLAN und App. Einige Systeme sind auch mit Sprachassistenten der marktführenden Anbieter kompatibel und werden über die entsprechende App und über das WLAN mit diesen verknüpft.
Andere erfordern tiefe Eingriffe in die bestehende Heizungsanlage und müssen von Fachleuten eingebaut und eingerichtet werden – damit sind diese Systeme eher für den Neubau oder Eigentümerinnen und Eigentümer geeignet, die ihre bestehende Heizungsinstallation komplett überholen oder austauschen möchten. Ist bereits das Haus oder die Wohnung bereits teilautomatisiert, ist es empfehlenswert, eine passende Heizungssteuerung vom gleichen Hersteller in das System zu integrieren. Damit lassen sich Kosten sparen und die bestmögliche Kompatibilität erzielen.
Alle smarten Thermostat-Lösungen haben eins gemeinsam: Für mögliche Einsparungen beim Energieverbrauch sind Investitionen notwendig. Von kleinen Starterkits für einige hundert Euro bis hin zu Komplettlösungen für mehrere tausend Euro gibt es auf dem Markt für jeden Geldbeutel etwas. Wenn es weniger smart, dafür etwas mehr Handarbeit sein darf, können die konventionellen Thermostate auch gegen nicht vernetzte aber mit Zeitplänen programmierbare Modelle ausgetauscht werden. Die Kosten belaufen sich hier auf 50 bis 80 Euro je Heizkörper.
Wann lohnt sich eine smarte Heizungssteuerung?
Das smarte Heizen hat einige Vor- und auch Nachteile. Einen besonders deutlichen Effekt haben die vernetzten Thermostate in nicht optimal isolierten Wohnräumen oder wenn sich Nutzerinnen und Nutzer in unregelmäßigen Abständen zuhause aufhalten. In Neubauten oder Gebäuden, die nur wenige Jahre alt und nach neuestem Stand isoliert sind, sind die Auswirkungen der smarten Anpassungsfähigkeiten geringer, aber dennoch messbar. Programmierbare Funkthermostate sind möglicherweise sinnvoller, wenn die Nutzerinnen und Nutzer regelmäßigen Tagesabläufen nachgehen oder sich grundsätzlich über einen längeren Zeitraum zuhause aufhalten – beispielsweise durch Home Office : Sie bringen einen ähnlichen Effekt bei weniger Komfort und geringeren Kosten.
Je nach Modell sind auch mehr oder weniger große Anpassungen an der Programmierung nötig. Nicht alle Geräte liefern sinnvolle Werkseinstellungen für jede Nutzerin und jeden Nutzer. Durch die Sensoren und Apps vieler Steuerungssysteme ist der Bedienungskomfort jedoch deutlich höher als mit konventionellen mechanischen oder digitalen Thermostaten. Sie lohnen sich also vor allem, wenn schnelle und feinkörnige Anpassungen – beispielsweise für einzelne Zimmer von unterwegs – gewünscht sind.
Dafür ist die Umrüstung unter Umständen aufwändig und je nachdem, welche Voraussetzungen gegeben oder welche Ausführung gewünscht ist, mit nicht unerheblichen Kosten verbunden, sodass sich die Einsparungen bei der Energie erst mittelfristig rechnen. Wenn diese Punkte beachtet und abgewogen werden, steht dem smarten Heizen aber nichts mehr im Weg.